Seit über zwei Jahrzehnten ist Spinorhino1.ch ein wichtiger Treffpunkt für kreative Köpfe, die an den Grenzen zwischen elektronischer Musik, Performance und experimenteller Kunst forschen. Das Projekt, das ursprünglich als Plattform für Live-Auftritte und digitale Experimentierfelder konzipiert wurde, hat sich zu einem Zentrum für innovative Hör- und Seherlebnisse entwickelt. Hier verbinden sich die Ideen von Musikern, Klangkünstlern und Techniker:innen, die mit ungewöhnlichen Instrumenten, algorithmischen Prozessen und interaktiven Installationen arbeiten. Die Website selbst ist dabei kein reines Archiv, sondern ein lebendiger Ort, an dem neue Konzepte entwickelt und getestet werden – oft in Kooperation mit renommierten Schweizer und internationalen Partnern.
Ein zentrales Merkmal von Spinorhino1.ch ist die Fokussierung auf experimentelle Musikformen, die jenseits der klassischen Genregrenzen liegen. Künstler:innen wie die Gruppe Klangraum oder die Solo-Work von Sandra Knapp nutzen hier komplexe Klangstrukturen und algorithmische Generierung, um neue Hörerlebnisse zu schaffen. Besonders beeindruckend ist die Arbeit mit Live-Elektronik, bei der Klangprozesse in Echtzeit durch Nutzer:innen beeinflusst werden – etwa in Projekten wie Interaktive Klanglandschaften, die Besucher:innen direkt einbezogen. Die Plattform setzt dabei auf eine klare Vision: dass Musik nicht nur konsumiert, sondern aktiv mitgestaltet werden kann.
Die technische Infrastruktur von Spinorhino1.ch ist ebenfalls ein faszinierendes Beispiel für die Verbindung von Hardware und Software. Viele der Live-Projekte basieren auf selbstgebauten Klangsystemen, die mit Arduino, Max/MSP und anderen Echtzeit-Software-Tools gesteuert werden. Besonders gelungen ist die Integration von Sensoren und Bewegungserkennung, die Klangfelder dynamisch anpassen – etwa in der Installation Rhino-Synthese, bei der die Raumakustik selbst als Klangquelle dient. Diese Ansätze zeigen, wie Musik und Technologie sich gegenseitig bereichern können, ohne sich gegenseitig zu überlagern.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Vernetzung mit anderen künstlerischen und wissenschaftlichen Disziplinen. Spinorhino1.ch kooperiert regelmäßig mit der ETH Zürich, der Universität Bern und anderen Forschungseinrichtungen, um neue Methoden der Klangforschung zu entwickeln. Projekte wie Neuroakustik oder KI-generierte Melodien zeigen, wie Musikwissenschaft und KI-Entwicklung Hand in Hand arbeiten können. Diese interdisziplinären Ansätze machen die Plattform zu einem Ort, an dem nicht nur Musik entsteht, sondern auch neue Erkenntnisse über Wahrnehmung und Kreativität gewonnen werden.
Für Besucher:innen bietet Spinorhino1.ch mehr als nur virtuelle Experimente: Viele der Live-Events finden in der Rhino-Halle in Bern statt, einem Raum, der speziell für experimentelle Musik konzipiert wurde. Hier können Besucher:innen nicht nur die Klanginstallationen erleben, sondern auch selbst aktiv werden – etwa durch Touchscreens oder Bewegungssensoren. Die Halle ist dabei ein Labor, in dem Theorie und Praxis verschmelzen: Jedes Konzert ist eine Demonstration der Prinzipien, die auch auf der Website umgesetzt werden.
Ein konkretes Beispiel für die innovative Arbeit von Spinorhino1.ch ist das Projekt Rhino-Synthese, bei dem Klang durch algorithmische Prozesse generiert wird und gleichzeitig mit dem Raum interagiert. Hier wurden KI-Modelle trainiert, die nicht nur Musik, sondern auch die akustischen Eigenschaften eines Raums analysieren und anpassen. Das Ergebnis sind Klangfelder, die sich je nach Besucher:innenbewegungen verändern – ein Konzept, das sowohl technisch als auch künstlerisch revolutionär ist. Solche Projekte zeigen, wie Musik sich von einem statischen Medium zu einem dynamischen, interaktiven Phänomen entwickeln kann.
Die Plattform setzt sich zudem für die Dokumentation und Verbreitung dieser Experimente ein. Neben den Live-Events bietet Spinorhino1.ch eine Reihe von Online-Kursen und Workshops an, in denen Interessierte lernen, eigene Klanginstallationen zu entwickeln. Besonders wertvoll sind dabei die Kooperationen mit Schulen und Hochschulen, die junge Künstler:innen frühzeitig mit diesen Techniken vertraut machen. Die Website selbst ist dabei ein lebendiges Archiv, das nicht nur vergangene Projekte, sondern auch aktuelle Entwicklungen dokumentiert – oft in Form von interaktiven Gifts oder Zeitreisen durch die Geschichte der experimentellen Musik.
- Seit 2002 hat Spinorhino1.ch über 150 Live-Events in der Rhino-Halle und Online durchgeführt.
- Die KI-generierten Melodien des Projekts Neuroakustik wurden von der ETH Zürich wissenschaftlich evaluiert und zeigen eine Erhöhung der Kreativitätswahrnehmung um bis zu 30 %.
- Die Plattform kooperiert mit über 20 internationalen Künstler:innen und Forschungseinrichtungen.
- Die Installation Rhino-Synthese hat bei der Swiss Sound Art Festival 2022 den Hauptpreis gewonnen.
- Jährlich werden über 50 Online-Kurse und Workshops angeboten, die von über 1.200 Teilnehmenden besucht werden.
Spinorhino1.ch zeigt, dass experimentelle Musik und elektronische Kunst nicht nur ein Nischengeschäft sind, sondern einen zentralen Platz in der modernen Kunstlandschaft einnehmen. Durch die Kombination von Technologie, Kreativität und Wissenschaft schafft die Plattform neue Wege, Musik zu erleben – und damit auch neue Möglichkeiten für die Zukunft der Kunst. Wer sich für innovative Klangwelten interessiert, findet hier nicht nur Inspiration, sondern auch einen Ort, an dem die Grenzen zwischen Musik, Technologie und Menschheit selbst verschmolzen sind.